Freitag, 2. September 2016

Wir sind Freunde, weil wir anders sind

Ich bin gerade ein wenig niedergeschlagen, Max Power ist es. Die erste richtige Schulwoche liegt hinter uns und es läuft wie es halt so läuft in einer ersten Schulwoche. Männer und Jungs erzählen ja insgesamt so gut wie gar nix, also das heißt, ich muss dem kleinen Mann hier zu Hause quasi jede Informationen aus der Nase herausziehen. Die andere Möglichkeit ist, ich frage einfach beim Elternabend die Mütter, deren Töchter auch in der Klasse 1c sitzen. Aber natürlich muss ich ja auch gar nicht alles wissen. 
Neeeeein, ich bin ja nicht neugierig ;-).


Immerhin weiß ich, dass wenn wirklich etwas ist, so wie heute, dann kommt er zu mir, mein Max Power und erzählt. Er hatte richtig Tränen in den Augen als er mir heute von seiner kleinen Tischnachbarin erzählte. Die beiden sind die Einzigen aus unserem Kindergarten, sie haben sich in der Klasse einfach gesucht und gefunden. Sie sind eben doch nicht alleine und haben sich direkt nebeneinander gesetzt.
Seine kleine Freundin ist Araberin.
Ein sehr liebes kleines Mädchen und Max Power mag sie wirklich gerne. Sie ist in der Klasse momentan einfach seine einzige Freundin, die anderen Jungs und Mädchen "müssen es sich noch überlegen", so wie er sagt. Doch heute kam seine Freundin auf ihn zu und hat ihm gesagt, dass die beiden nun keine Freunde mehr sein dürfen. Es geht nicht mehr. Es täte ihr sehr leid. Aber arabische Mädchen dürfen nun einmal keine deutschen Freunde haben. Bummms. Das hat gesessen. Einfach so gesagt.
Und Max Power versteht die Welt nicht mehr.
Der Papa seiner kleinen Freundin duldet den Umgang nicht. 

"Warum Mama? Das verstehe ich nicht. Wir sind doch beides Schulkinder und wir sind Freunde. Jetzt nicht mehr, sagt sie." Da saß er mit seinen großen traurigen Augen vor mir und hat mir diese Frage gestellt. 

Ich verstehe es ja selbst kaum. Es ist mir ein Rätsel. Traurig macht mich diese Haltung, was für eine verbohrte Einstellung. Ich dachte immer wir leben doch hier alle zusammen und die Familie hat ihr Kind ja auch an einer katholischen Grundschule angemeldet.
Da stellt man sich doch eigentlich eine ziemlich weltoffene Familie darunter vor. Leider nicht. 

Schade, dass man Kinder derart in eine falsche Richtung lenken kann und ich hoffe wirklich sehr für die beiden, dass sie trotzdem Freunde bleiben und ich habe zu Max Power gesagt, dass seine kleine Freundin ihren Papa ja vielleicht noch einfach fragen kann, ob er seine Meinung nicht doch noch einmal überdenken mag. 

Versuchen wir doch wenigstens unseren Kindern Weltoffenheit, Respekt vor allen Religionen und Menschen mitzugeben. Jeder Mensch ist anders.

Wir sind Freunde, weil wir anders sind.
(Janosch)

Ahoi,
Eure Alexandra

Kommentare:

  1. Liebe Alex,
    ich drück deinem Max ganz fest die Daumen und wünsche ihm, daß sich in der Klasse bald neue Freunde finden. So ein Schulstart ist immer ein großer Schritt. Da wünscht man den Kindern doch, daß dieser ohne große Stolpersteine oder Ereignisse wie diese klappt. Aber aller Anfang ist schwer - es wird werden, ganz bestimmt!
    Trotz allem ein wunderbares und entspanntes Wochenende,
    Sabine

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    1. Hallo, liebe Sabine,

      ich bin mir sicher, dass er ganz bald treue Freunde finden wird. Momentan ist natürlich noch alles neu. Das gibt sich und immerhin freut er sich heute schon wieder auf Montag. Das ist doch gar kein schlechtes Zeichen ;-). Habt Ihr auch noch ein schönes Wochenende und genießt den morgigen Sonntag,
      Deine Alex

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