Dienstag, 20. September 2016

Achtung Wasser

Jetzt, wo es noch so frisch ist, muss ich diesen Moment einfach teilen. Teilen, um mir meinen Frust und den Schock von der Seele zu schreiben und um andere Eltern zu warnen.
Wie oft haben wir schon gehört wie gefährlich Wasser für kleine Kinder ist, wie oft sind wir drüber hinweggegangen: "Ja, natürlich, man muss immer die Augen aufhalten, das stimmt, klar, Kinder können schon in Pfützen ertrinken." Aber wenn es einen dann selbst betrifft, das eigene Kind fast ertrunken wäre, obwohl andere Kinder Drumherum stehen. Dann erst, ja dann wird einem wirklich bewusst, wie schnell es gehen kann, wie schnell alles vorbei sein kann. Und das jede Sekunde zählt und Ihr Euer Kind in der Nähe von Wasser wirklich keine einzige Minute aus den Augen lassen dürft. Ich möchte auch auf gar keinen Fall Angst verbreiten, ich möchte einfach nur ein weiteres Mal aufklären.


Wir waren heute Nachmittag bei lieben Freunden zum Spielen verabredet Alle zusammen. Max Power, das Tottili, die kleine Schwester und der Babybub. Bei Freunden, die einen großen Gartenteich haben. Der Gartenteich ist natürlich eingezäunt, weil sie selbst Kinder haben. Diese Kinder sind allerdings schon so groß wie Max Power und das Tottili. Sie können schwimmen, genauso wie Max Power und das Tottili. Die Kinder spielten am Teich, Wasser zieht an und sie haben sich die großen Fische im Teich angesehen. Wir Mamas saßen bei traumhaftem Wetter natürlich auch draußen und beobachteten die Kinder. Die kleine Schwester saß im Sandkasten und der Babybub saß vor uns auf der Decke auf dem Rasen. Die Kinder lachten am Teich, das Gelächter wurde immer lauter, ein Kind lief zu uns und sagte so etwas wie: "Schaut mal, die Kleine im Wasser, kommt doch mal und schaut wie sie krault." Wir haben den Ernst der Lage erst gar nicht verstanden, sahen uns an und liefen langsam zum Teich. Bis ich erst einmal überlegte, wen sie meint. WER war denn im Wasser und warum war überhaupt jemand im Wasser? So warm war es heute nun auch wieder nicht. Moment. Wo ist denn eigentlich unsere kleine Schwester? Sie saß doch gerade noch dort im Sandkasten. Und von wem ragen die Fingerchen dort aus der Mitte des Teichs? STOPP. Das kann doch bitte nicht real sein. Das kann doch bitte nur ein Traum sein. Das kann nicht die kleine Schwester sein. Oder doch? Sie ist es. Sie hat sich innerhalb von Sekunden zu den anderen Kindern hingeschlichen, das Tor zum Gartenteich stand auf und sie war neugierig. Natürlich war sie neugierig. Das ist schließlich ihr gutes Recht. Auf einmal ist alles nur noch wie im Film. Ich renne zum Teich, springe so wie ich dort stehe kopfüber ins Wasser und ziehe unsere kleine Schwester aus dem Teich. Sie hustet, sie weint. Sie ist wohlauf. Ich bin es nicht. Ich stehe unter Schock. Und wisst Ihr was das Schlimmste ist? Die Kinder Drumherum haben natürlich mit ihren maximal sechs Jahren den Ernst der Lage einfach nicht erkannt. Sie haben gelacht. Sie müssen den Ernst der Lage auch noch gar nicht erkennen. Sie sind Kinder. Erst als ich ins Wasser gesprungen bin und die kleine Schwester weinend herausgezogen habe. Da haben sie es verstanden. Die Schuld liegt ganz alleine bei mir. Denn auch wenn wir direkt dabei waren, so waren wir doch für einen Moment unaufmerksam und dieser Moment hat genügt. Wollen wir gar nicht drüber nachdenken, was hätte passieren können.

So saßen wir gerade alle zusammen in ihrem Zimmer und waren einfach nur Dankbar. Dankbar für diesen Tag, für einen richtig großen Schutzengel, der unserer kleinen Schwester heute das Leben gerettet hat. Dankbar. dass uns dieser Tag nochmals wachgerüttelt hat, wie schnell Kinder ertrinken können. Das Kinder wirklich in Pfützen ertrinken können. Ja, das können sie.

Und jetzt nehmt Eure Kinder in den Arm, drückt sie und küsst sie. Sie bedeuten alles.
Eure Alexandra

Kommentare:

  1. hallo, das ist echt schliimm! ich bin in der nähe von wasser auch immer sehr achtsam! Vor kurzem habe ich einen Bericht über "trockenes Ertrinken" gelesen! Also obwohl keine klaren Anzeichen da waren, ist das kind ein paar stunden später gestorben! Ich möchte keine Panik machen oder so, achte bitte jetzt im nachhinein auf merkwürdige Anzeichen u lasse dein kind evtl. trotzdem untersuchen! Ich wünsche Dir bzw. Euch alles gute! Bine

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  2. Gut, dass ihr mit dem Schrecken davon gekommen seid.

    Dass ganz kleine Kinder lautlos ertrinken, oder doch eher ersticken, hat mir Sohnemann mal gezeigt. Er war etwa ein Jahr alt, es war sehr warm. Wir hatten bei meinen Eltern im großen Garten mehrere Pools in verschiedenen Größen aufgestellt und Töchterchen hatte mit Freundinnen gespielt. Direkt neben dem Größten Becken hatten wir ein winziges Babyplanschbecken. Weil aber die Großen gespielt hatten, war auch da recht viel Wasser drin. Sohnemann war im kleinen Becken, ich saß auf einem Stuhl direkt daneben. Er zog sich am Rand hoch, wollte Richtung großem Pool, rutschte wohl weg und fiel langsam nach hinten um. So wie er mit dem Gesicht unter Wasser war, rührte er sich nicht mehr, kein Strampeln, gar nichts. Sah mich nur mit großen Augen an, zu dem Zeitpunkt hatte er noch diesen Verschlussreflex. Ich hab ihn natürlich sofort raus geholt, er war max. 1-2 Sekunden unter Wasser. Aber es hat mich geprägt, ich bin seit dem wirklich viel achtsamer, wenn Kinder am oder im Wasser sind.
    Inzwischen können meine beiden auch Schwimmen, Töchterchen sehr sicher, sie hat im Sommer das Silberabzeichen gemacht.
    Sohnemann hat das Seepferdchen, hält sich aber sicher über Wasser.

    Alles gute euch.
    LG von TAC

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