Donnerstag, 17. Dezember 2015

Nichts müsst Ihr - Kinder sollt Ihr sein

"Nur noch sieben Tage bis Heilig Abend". Mit diesen Worten wurde ich heute Morgen freudestrahlend vom "Großen" (was für ein Quatsch eigentlich, warum schreibe ich so oft "der Große"? Mit fünf Jahren muss und ist man doch wirklich noch nicht groß) begrüßt. 

Dazu fällt mir gerade etwas ein, das ich Euch eigentlich schon in der letzten Woche erzählen wollte. 
Wir saßen beim Elternfrühstück im Kindergarten, das ca. alle 3 Monate stattfindet und neben uns Müttern und der Kindergartenleitung, immer noch von einem ganz lieber Pädagogen, Herrn L., besucht wird. Er leistet uns Mamis Gesellschaft, hört unseren Gesprächen zu, gibt Ratschläge, wenn danach gefragt wird und trinkt einfach gemütlich sein Käffchen mit uns. Dieser Herr L. hat in der letzten Woche eine interessante Diskussion in Gang gebracht, nachdem eine liebe Mami zu ihrer dreijähigen Tochter ganz unbewusst "unsere Große" (sie hat eben auch schon kleinere Geschwister) sagte und Herr L. ganz erstaunt aufsah und sie fragte: "Wer jetzt? Meinen Sie etwa Ihre kleine Tochter mit der Großen?" Länger musste ich über seine klaren und wahren Worte nachdenken, weil sie eben doch so ehrlich waren. 

Er hat ja so recht und viele von uns Mamis und Papis sollten dringend unsere Ausdrucksweise überdenken. Die Ältesten unter den Kindern in einer Familie haben es doch wirklich so schon oft nicht leicht, schließlich sind halt eben die Ältesten (können sie ja auch nichts für), die Großen, die Vernünftigen, die Vorbilder der Geschwister, die dann noch danach kommen. Sie müssen sich als Erste durchboxen, erfahren, probieren, Kind sein in einer Familie. Was für ein Quatsch also. Warum müssen sie dann immer noch so genannt werden? Das Los ist doch schon schwer genug.


Warum muss ein drei, vier oder fünfjähriges KLEINKIND schon so vernünftig sein und Verantwortung übernehmen - Verantwortung für Geschwister, für sich selbst?
Und jetzt packen sich bitte mal alle Mamis mit mehreren Kindern an die Nase (auch ich), wie oft einem doch immer wieder mal herausrutscht:

 "Kannst Du bitte nur mal einmal kurz auf deine kleine Schwester/deinen kleinen Bruder aufpassen? Ich hole eben die Wäsche." Oder: "Schau doch bitte einmal eben nach Deiner kleine Schwester. Ob sie schon wieder Quatsch macht." Oder: "DU bist doch hier die/der Große. Dein Bruder macht Dir das alles nach. Sei doch bitte mal ein Vorbild und zeig ihm wie es richtig geht."

BLÖDSINN.

 

WIR sind die Eltern, WIR müssen aufpassen. WIR tragen die Verantwortung für ALLE Kinder. Und wir müssen auch der/dem Ältesten die Freiheit lassen Kind sein zu dürfen. Auch wenn und vorallem wenn sie/er die/der Älteste ist. NICHTS müssen sie aufpassen. Sie können ja noch nicht einmal auf sich selbst aufpassen. Wie sollen sie diese schwerwiegende Verantwortung dann für ihre kleinen Geschwister übernehmen?

Diese Ansicht teile ich und habe sie von dem Moment an, als Herr L. sie nochmals beim Frühstück kundtat,  verinnerlicht und versuche mich jetzt auch wirklich fest dran zu halten. 
Klar, ist mir und auch dem Mann schon oft rausgerutscht. "Unser Großer". Vielleicht gefällt ihm das aber gar nicht. Vielleicht möchte er auch gar nicht immer so genannt werden.
Er ist und bleibt doch nun einmal unser erstgeborenes Baby. Das ist wichtig und das wird auch immer so bleiben. Er darf und soll solange Kind sein, wie er möchte. 

Ahoi,
Eure Alexandra

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