Mittwoch, 26. August 2015

Geduld

Also manchmal wundere ich mich doch, was aus einem fünfjährigen Jungen alles so an Fragen, Gedanken, Wünsche und auch Antworten herauskommen.


Gestern hätte Opa eigentlich Geburtstag gehabt. Eigentlich. Denn Opa ist im letzten Jahr leider gestorben. Der Tod ist für die Zwerge zum Glück noch ein Buch mit sieben Siegeln. Menschen, die gestorben sind, leben im Himmel. Sie schauen auf uns hinab, sie beschützen uns und wenn wir möchten, dann können wir auch mit ihnen sprechen. Genauso wie wir auch mit Gott sprechen können. Das Tottili ist mit ihrem fast drei Jahren noch zu jung darüber nachzudenken. Aber Max Power ist ohnehin sehr wissbegierig und möchte alles ganz genau hinterfragen und erforschen. Darum probiert er auch immer wieder aus mit dem lieben Gott zu sprechen. Dann ärgert er sich später aber, dass er nicht direkt eine Antwort bekommt. 

"Wie machst Du das denn, Mama? Ich möchte auch endlich mit Gott sprechen können." 
Puhhh, was antwortet man denn darauf? "Irgendwann wirst Du den lieben Gott auch in Deinem Herzen antworten hören. Wir hören ihn ja nicht direkt immer durch unsere Ohren. Vielleicht, manchmal durch eine Person, die uns nahe steht. Aber das dauert etwas, bis Du das verstehst. Wichtig ist, dass Du weißt, dass Du an jedem Tag und zu jeder Zeit mit Gott sprechen kannst und er für Dich da ist.
Gut, dass hat er verstanden. 


Jetzt zu Opa. 
"Opa ist im Himmel, beim lieben Gott und auch mit Opa kannst Du jederzeit sprechen.
"Meinst Du, dass Opa oben im Himmel auch Geburtstag feiern kann?" fragt mich Max Power.
"Na klar. Was denkst Du denn. Das wird er wohl auch machen. Da bin ich mir sicher."

"Vielleicht kann er ja im Himmel sogar wieder laufen (Opa saß die letzten Jahre seines Lebens im Rollstuhl)." überlegt Max Power. "Das könnte gut sein, mein Schatz." Was für ein lieber Gedanke.

Max Power möchte Opa gerne zum Geburtstag gratulieren und eine Karte an sein Grab legen. 
"Na klar, da wird er sich bestimmt freuen." Also basteln wir eine Karte und Max Power diktiert mir ganz genau was ich in die Karte hineinschreiben soll. 

Lieber Opa,
wir wünschen Dir alles alles Gute zum Geburtstag und hoffen, dass Du auch im Himmel schön feiern kannst. Wir denken ganz oft an Dich.

Auf die andere Seite der Karte möchte er noch etwas persönliches schreiben.

Lieber Opa,
am Samstag habe ich mein Seepferdchen gemacht (Ja, das hat er und ist richtig stolz. So wie wir auch :-)). Jetzt kann ich richtig schwimmen. Zur Belohnung durfte ich mir einen großen Dinosaurier aussuchen. Den hat Papa mir gekauft. Und Totti hat einen Hai bekommen. 
Dein Max Power

Vorgstern, einen Tag vor Opas Geburtstag, haben wir die Karte, eine Blume aus dem Garten und eine Bügelperlengiraffe, die das Tottili gebastelt hat, gemeinsam zum Friedhof gebracht. Nachdem wir kurz am Grab standen und wieder den Rückweg antreten wollten, fragte mich Max Power, ob er noch ein wenig alleine mit Opa am Grab sprechen dürfe. Wir sollen aber bitte weg gehen. Klar, haben wir seinen Wunsch befolgt und da saß er dann auf dem Grabstein, hat ein paar Minuten mit Opa gesprochen, ganz alleine und dabei sogar richtig wild mit den Armen gestikuliert. 
Mir sind fast die Tränen gekommen vor Rührung.  Als er fertig war kam er zu uns gerannt und sah glücklich aus.
 Wir gehen wirklich nicht oft auf den Friedhof, weil der Ort einfach keiner ist, an dem man sich gerne aufhält, oder? Aber ich denke, der Tod gehört zum Leben einfach dazu und darum dürfen auch die Kleinen schonmal mitkommen.

Gestern Nachmittag war Max Power dann nach dem Spielen in einer ganz seltsamen Laune. Gerade noch gut drauf und am Toben, setzt er sich auf einmal auf das Sofa und fängt an zu Weinen (das macht er nicht oft). Als ich ihn dann gefragt habe was denn passiert ist, sagt er nur, dass es ihm leid tut. Es tut ihm so leid, dass ihm noch ganz viel Geduld fehlt und er mich so oft etwas fragt. 

"Wofür brauchst Du denn Geduld?" frage ich. 
"Andauernd frage ich Dich wann denn endlich Weihnachten ist. Und wann ich wieder Geburtstag habe und wann wieder Schwimmen ist. Warum kann ich denn nicht einfach abwarten. Immer bin ich nur ungeduldig. Ihr Großen seid nicht so ungeduldig. Warum kann ich nicht einfach schon groß sein?"  Ach herrje. 
Ich habe versucht ihn zu beruhigen und ihm zu erklären, dass es oft ganz schön doof ist schon so groß zu sein und ich mir manchmal wünsche nochmal Kind zu sein. Die Freiheit zu genießen, sich keine Sorgen machen zu müssen und und und. "Echt?" fragte er mich völlig überrascht. " 
Ja klar. Groß zu sein ist nicht immer schön. Und außerdem ist es überhaupt nicht schlimm, wenn Du mich all die Sachen fragst. Das stört mich nicht die Bohne ;-)."

Dann war alles wieder gut.

Verrückt was in so Kinderköpfchen manchmal vorgeht, oder?

Liebste Grüße,
Eure Alexandra

Kommentare:

  1. Huhu,
    ich lass Dir mal nen lieben Gruß hier !:-)
    Auf meinem blog gehts auch weiter.
    Liebe Grüße,
    Birgit, die den Pott auch so sehr liebt !

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  2. Hallo Alexandra,
    solche Gespräche hatte ich mit Töchterchen auch schon. Sie will lieber heute statt morgen groß sein und versteht nicht so recht, dass das auch nicht immer schön ist.
    Sohnemann dagegen fragt momentan eher nach technischen Zusammenhängen ("Warum?" in Endlosschleife), da schicke ich ihn zu meinem Mann, das kann er besser erklären. *g*
    Ich habe heute endlich mal wieder gebloggt und weitere Einträge vorbereitet. Der Eintrag zum Gewinn wird wohl am Montag online gehen, wenn nicht noch was ganz wichtiges dazwischen kommt. ;)
    LG von TAC

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